Vom Messen der GSoAII an ihrer grossen Schwester

von Tex Tschurtschenthaler

Niemand scheint zu bezweifeln, dass die GSoAII, falls sie dereinst einmal zur Abstimmung gelangen wird, an ihrer grossen Schwester GSoAI gemessen werden wird. Es ist sehr naheliegend, davon auszugehen, denn das eigentliche Anliegen ist bei beiden grob gesehen dasselbe, dieselbe politische Gruppe bringt sie zur Abstimmung und dasselbe - höchstens demographisch leicht veränderte - Schweizer Volk befindet darüber. Ausserdem wird auch unser BöFei (Mil.Jarg.f. Böser Feind) ein Interesse daran haben, die GSoA II mit der GSoAI zu vergleichen, damit das momentan von vielen Leuten auf beiden Seiten erwartete schlechtere Abschneiden als geglückte Revanche für die empfindliche Schlappe von 1989 hingestellt werden kann. Werfen wir einen Blick zurück: Vor 1989 war die Armee in der Schweiz eine klassische Heilige Kuh. Die Forderung nach ihrer Abschaffung war entsprechend eine Megaprovokation. (Bitte die letzten beiden Sätze nochmals lesen und sich den Inhalt mit den dazugehörenden Emotionen vergegenwärtigen, wenn nötig, die Augen dabei schliessen.) Das ist heute nicht mehr so. Zwar existiert die Armee nach wie vor mit allen Nachteilen, aber eines hat sie verloren: den Heiligenschein und somit ihre Unberührbarkeit. Bundesrat, Parlament, Parteien und Wirtschaft wollten damals die GSoA-Initiative eigentlich diskussionslos über die Bühne gehen lassen. Als im Ersten Deutschen Fernsehen aber ein Dokumentarfilm über die GSoA-Initiative ausgestrahlt wurde und die Classe Politique sich mit der Tatsache konfrontiert sah, dass in der Schweiz Hunderttausende die Sendung mitverfolgt haben müssen, war der Schweigebann gebrochen. Im Nachhinein dürfen wir mit gutem Gewissen sagen, dass damit der GSoA-Erfolg von 1989 bereits eingetreten war. Heute ist der verlorene Heiligenschein nicht einmal in Ansätzen regeneriert. Im Gegenteil. Mir scheint es, als ob unsere Armee seit 1989 je länger desto weniger als seriöse Institution angesehen wird. Kürzlich veröffentlichte Studien haben gezeigt, dass der Anteil der kritischen ArmeebefürworterInnen unter den ArmeebefürworterInnen kontinuierlich steigt. Nicht einmal eine noch so schlecht abschneidende GSoAII wird es soweit bringen, dass Armeekritik wieder ein Tabu wird. Aus dieser Analyse der Situation ziehe ich den Schluss, dass die GSoAII eine ganz andere Initiative sein wird, als es ihre grosse Schwester war. Sie wird keine Megaprovokation sein können. Sie wird schlicht nur die Existenz einer gewöhnlichen staatlichen Institution radikal hinterfragen. Ausserdem werden dieses Mal die eigentlichen Argumente wahrscheinlich einiges mehr zählen als dies 1989 der Fall war. Und gerade das ist für mich die eigentliche Herausforderung an der GSoAII. Ich möchte dieses Mal nicht einfach der Armee eins auswischen sondern meine Argumente - welche das letzte Mal in der Aufregung untergegangen sind - an denjenigen der ArmeebefürworterInnen sachlich messen können