Armee ohne Souveränität?

von Gabriele Rossi

In politischen Begriffen kann ich gar nicht ausdrücken, ob ich für oder gegen eine neue Armeeabschaffungsinitiative bin. Vom Standpunkt eines aus Altersgründen Entlassenen wäre es eine wunderbare Sache: eine hohe und nicht egoistische Vorstellung von Neutralität. Im nächsten Jahrhundert sind wir ohnehin in einem geeinten Europa oder mindestens davon umgeben. Im ersten Fall müsste sich die Schweizer Armee völlig an die Strategien und ans Material der anderen Armeen anpassen, im zweiten wäre sie in der Lage eines Belagerten ohne Ausweg - und damit wäre die Schweiz auch nicht mehr souverän. Und was bleibt von einer Armee, die keine Souveränität mehr ver- teidigen kann? Sie ist ein Trugbild.Auch mit gutem Willen ist es unmöglich, mir eine akzeptable Rolle für eine künftige Armee vorzustellen und noch viel weniger eine Armee, die der Ausdruck des Volkswillens und seiner Werte ist. Nur ein Friedensdienst könnte diese Funktion erfüllen, die Gräben im Land überwinden und nach aussen wirken. Allerdings ist die wahrscheinlichere Alternative zu dieser Hoffnung eine Berufsarmee, die von einem gleichgültigen und desolidarisierten Volk finanziert wird. Angesichts der intelligenten Bomben ist es verrückt, sich auf sein Hirn zu verlassen. Mobilisieren wir doch das Herz.