von Theo Mossi
Meiner Meinung nach wäre es angebracht, wieder über die Abschaffung der Armee abzustimmen. Das Motiv ist vor allem masochistischer Art: Angesichts der sich verdüsternden sozialen Lage würde uns das Fiebermessen mittels einer Abstimmung erlauben, den Gesundheitszustand des Staates festzustellen. Mehr oder weniger todgeweiht? Ein anderes Motiv - das einzugestehen mir Mühe bereitet, da ich nicht an Alchimie gewöhnt bin - ist von spekulativer, ja sogar opportunistischer Natur. Nehmen wir einmal an, der Tendenz der letzten Abstimmungsresultaten folge eine allgemeine Abneigung gegen Politik und dass bei einer Abstimmung über die Armee nur diejenigen an die Urne gingen, die wirklich für die Abschaffung sind. Dann könnte es passieren, dass 15 bis 20% der Stimmberechtigten über das Schicksal unserer ruhmbedeckten Armee entscheiden würden. Das ist eine ziemlich hässliche Überlegung, die auf Gleichgültigkeit baut.aber für einmal würde es mir passen. Ich bin mir jedoch bewusst, dass es so nicht ablaufen wird, dafür werden die Supermänner in Feldgrau und ihre Kollegen von der Waffenindustrie schon sorgen. Sie werden die versteckten und offe- nen Ängste der Söhne und Töcher Helvetias zu schüren wissen. Vielleicht habe ich zu viele Bücher von Paco Ignacio Taibo gelesen: Dort gelingt es den VerliererInnen immer, sich irgendwie durchzuschlagen - nicht immer auf orthodoxe Art und Weise - und ab und zu versetzen sie den Mächtigen sogar einen schweren Kinnhaken.