Medienkonferenz der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee GSoA, 17. März 1998 in Bern

3. Zivilisiert und zukunftsfähig

Der freiwillige Zivile Friedensdienst ZFD

"Pazifismus" kommt aus dem Lateinischen von "pacem facere" und bedeutet "Frieden machen". Pazifismus meint also nicht "lieb und nett sein", sondern beinhaltet ein sehr aktives Element des Schöpferischen, Gestalterischen, des Engagements und der Verantwortung.

In den vergangegen zehn Jahren haben pazifistische Organisationen wie die GSoA wichtige Veränderungen durchgemacht. Von Protestbewegungen wurden sie zu Projektträgerinnen. Während zu Zeiten des Kalten Krieges Protestmärsche und Kundgebungen gegen den nuklearen Wahnsinn im Vordergrund standen, erforderten die Konflikte und Kriege nach 1989 einen neuen Typus von Friedensarbeit. Gefordert war das verantwortungsbewusste, solidarische Engagement in enger Zusammenarbeit mit Frauen- und Friedensgruppen, Menschenrechtsorganisationen und unabhängigen Medien in den Krisengebieten.

Aus diesen Erfahrungen wuchs das GSoA-Initiativprojekt für einen freiwilligen Zivilen Friedensdienst ZFD. Im direkten Engagement und Einsatz von Freiwilligen in Projekten im ehemaligen Jugoslawien wurde uns klar: Konflikte können nicht militärisch gelöst werden. Von Albanien über Nordirland und Korsika bis Zypern beweist uns dies die Welt jeden Tag. Dem Mythos der militärischen Kontrolle und "Konfliktbewältigung" setzen wir das eigene solidarische Handeln, die zivile Konfliktbearbeitung mit den Menschen vor Ort entgegen. Nachhaltiger Friede entsteht nur als ziviles, soziales Projekt.

Die Initiative für einen freiwilligen Zivilen Friedensdienst schafft Handlungsspielräume auf drei Ebenen:

  1. Eine frei zugängliche Grundausbildung in gewaltfreier Konfliktbearbeitung schafft Wissen und Kompetenz im Umgang mit Gewalt und Konflikten in allen Lagen und Situationen unseres Alltagslebens und unserer eigenen Gesellschaft.
  2. Ein Pool von ausgebildeten MenschenrechtsbeobachterInnen, BegleiterInnen usw. schafft die menschlichen Ressourcen, um im Konfliktfall einen solidarischen Beitrag und Unterstützung leisten zu können.
  3. Der Einsatz von freiwilligen, gut ausgebildete und motivierten SpezialistInnen auf Anfrage aus Krisen- und Konfliktgebieten hin bedeutet gelebte Solidarität dort, wo die Schweiz ihre Stärken und Qualifikationen hat: im zivilen Bereich.

Internationale Solidarität bedeutet immer eine Einmischung in vermeintlich fremde Angelegenheiten. Bei meinem Engagement in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo habe ich gelernt, dass es keine "inneren Angelegenheiten" geben kann und darf, wo es um internationale Abkommen und um universale Werte und Rechte geht.

Die GSoA versteht den Zivilen Friedensdienst ZFD nicht als unbewaffnetes Ersatzteil für militärisches Eingreifen, sondern als zivile Alternative. Bewaffnete Interventionen lösen keinen Konflikt. "Sicherheit" und "Frieden" sind politische, nicht militärische Herausforderungen.

Der Krieg wird ausserordentlich ernst genommen. Der Friede bisher leider nicht. Für den Frieden gibt es weder Manöver noch Übungsplätze oder Departemente und Handbücher.

Zudem besteht an sogenannten "Friedensbataillonen" heute nach einhelliger Expertenmeinung ein Überangebot. Dagegen fehlt es am politischen Willen, eine faire internationale Rechtsordnung und zivile Instrumente zu schaffen.

Der ZFD ist

Dieses Jahr darf das Schweizerische Katastrophenhilfekorps SKH seinen 25jährigen Geburtstag feiern. Wir gratulieren dem SKH und allen seinen engagierten Angehörigen und danken ihnen für ihren Einsatz. Wir wünschen dem SKH viel Glück und gutes Gelingen für die nächsten 25 Jahre. Vor allem wünschen wir ihm aber einen jüngeren Bruder, den Zivilen Friedensdienst, der zum humanitären Engagement der Schweiz das friedenspolitische Engagement der Schweiz hinzufügt.

Wenn Probleme und Herausforderungen die nationalen Grenzen sprengen, müssen auch die politischen Antworten von Anfang an international gedacht werden. In verschiedenen Ländern sind heute Projekte und Vorschläge für Zivile Friedensdienste auf dem Tisch. Die Initiative der GSoA für einen freiwilligen Zivilen Friedensdienst setzt ein wichtiges Zeichen in dieser internationalen Debatte.

Der freiwillige Zivile Friedensdienst ist die zivilisierte und zukunftsfähige Form der internationalen Solidarität und des Schweizer Engagements in der Welt von heute und morgen.

Roland Brunner, GSoA Zürich und verantwortlich für die internationale Antikriegsarbeit der GSoA Schweiz

Anhang: Artikel über zivile Handlungsspielräume und verpasste Chancen im Kosovo