Der Zivile Friedensdienst hat seit seiner Erfindung vor wenigen Jahren eine rasante Metamorphose durchgemacht. Der Kreis um den deutschen Papst der Sozialen Verteidigung, Professor Theodor Ebert, sah den von ihm erdachten Zivilen Friedensdienst als ein Mittel, breiten Bevölkerungskreisen Grundkenntnisse in gewaltfreier Aktion zu vermitteln. Dies wurde ausdrücklich als Vorbereitung zur Einführung von Sozialer Verteidigung, also dem organisierten gewaltfreien Widerstand, der die militärische Verteidigung ersetzen soll, gesehen. Theodor Ebert selbst sah und sieht ihn sogar im Kontext einer allgemeinen Dienstpflicht für alle Männer und Frauen.
Die Einbindung des ZFD in die Wehrpflicht bzw. eine Allgemeine Dienstpflicht wird heute von der überwiegenden Mehrheit derjenigen, die sich für einen Zivilen Friedensdienst einsetzen, abgelehnt. Trotzdem führte dieser Gedanke von Seiten pazifistischer und antimilitaristischer Organisationen zu heftiger Kritik, bei manchen Gruppen bis heute sogar zu einer totalen Ablehnung des gesamten Konzeptes.
Der Zivile Friedensdienst hat konzeptionell drei Phasen durchgemacht. Die erste Phase war das erwähnte Konzept eines Dienstes, der Hunderttausende von Freiwilligen umfassen sollte. Danach konzentrierte sich die Diskussion zunehmend auf den Aspekt der Ausbildung; längere Zeit schien es so, als ob der Zivile Friedensdienst vorrangig eine einjährige Ausbildung in ziviler Konfliktbearbeitung meine. Inzwischen hat sich ein abermaliger Wandel hin zu einem Friedensfachdienst vollzogen. Dieser Begriff versucht den ZFD von Freiwilligendiensten abzugrenzen und parallel zu Entwicklungsdiensten zu definieren. Ziviler Friedensdienst in dieser Konzeption meint den Einsatz ausgebildeter Fachkräfte, die professionelle Konfliktbearbeitung leisten.
Die Entwicklung des ZFD ist vor allem mit dem Forums Ziviler Friedensdienst verbunden, das ursprünglich aus einer offenen Arbeitsgruppe des Bundes für Soziale Verteidigung heraus entstanden ist und heute praktisch alle Organisationen und Personen zu Mitgliedern hat, die die Forderung nach einem Zivilen Friedensdienst vertreten.
Das Forum hat zunächst im Winter 1995/96 versucht, auf Bundesebene Unterstützung einzuwerben. Eine interfraktionelle Initiative für eine Startphase Ziviler Friedensdienst verschiedener Bundestagsabgeordneter scheiterte aber an Widerständen aus der Exekutive, besonders in Person des Bundesministers für Entwicklung Spranger (CSU). Aus der Startphase gerettet wurde das Konzept einer viermonatigen Ausbildung für Friedensfachkräfte, wie die Freiwilligen des ZFD inzwischen hießen, die vom Land Nordrhein-Westfalen finanziert im Frühjahr 1997 erstmalig durchgeführt wurde. Die fünfzehn Teilnehmerlnnen sind heute vorwiegend in Projekten im ehemaligen Jugoslawien beschäftigt.
Gemeinsam ist fast allen Konzeptionen eines ZFD die Vorstellung, öffentliche Mittel einzuwerben. Die anfängliche Idee einer direkten staatlichen Einbindung z. B. in Form eines Bundesamtes oder gar Ministeriums für Zivilen Friedensdienst, wurde wiederum von der Mehrheit der ZFD- Vertreterinnen zugunsten eines staatlich subventionierten Programmes und der Formulierung bestimmter Gesetze zur Regelung des Rahmens aufgegeben.
Das hier veröffentlichte Statement des Komitees für Grundrechte und Demokratie und die Antwort des Forums ZFD darauf sprechen mögliche, durch öffentliche Finanzierung entstehende Abhängigkeiten an. Ein weiterer problematischer Aspekt bei der Entwicklung des Zivilen Friedensdienstes ist der ursprünglich deutlich formulierte Anspruch, eine Alternative zum Militär entwickeln zu wollen (Stichwort gewaltfreie Intervention). Von verschiedenen Kritikerlnnen wird des öfteren die Frage gestellt, ob dieser Anspruch zugunsten einer Akzeptanz durch breitere Kreise aufgegeben worden sei. In diesem Zusammenhang wird dann auch auf mögliche Gefahren hingewiesen, die durch eine Kooperation mit militärischen Stellen während des Einsatzes entstehen könnten.
Christine Schweitzer ist Redakteurin der Zeitschrift «Friedensforums», Herausgegeben vom Netzwerk Friedenskooperative, Römerstrasse 88, D-53111 Bonn.