(nl/ha) Mit der Initiative für einen freiwilligen Zivilen Friedensdienst (ZFD) will die GSoA politische Räume für verschiedene Ansätze der gewaltfreien Konfliktbearbeitung öffnen. Wir wollen dieses Thema aber keineswegs für uns pachten. Im Gegenteil: Lebendig wird der ZFD erst, wenn möglichst viele Organisationen Vorschläge für seine konkrete Umsetzung machen. In diesem Sinn fordert der Initiativtext denn auch eine staatlich unterstützte Koordinationsstruktur für schon bestehende und zukünftige Ansätze von unten.
Nun hat das 1995 gegründete Schweizerische ökumenische Friedensprogramm (SöF) Pionierarbeit geleistet. Ausgehend von einer Bestandesaufnahme schon bestehender Friedensausbildungs-Angebote in der Schweiz hat das SöF ein erstes schweizerisches Konzept für eine Friedensausbildung längerer Dauer ausgearbeitet. Diese Ausbildung ist als Angebot der Kirchen an eine breitere Bevölkerungsschicht zu verstehen, erklärten SöF-VertreterInnen.
Ziel des Kurses in Friedensarbeit ist «die praxisbezogene Aus- und Weiterbildung von Interessierten in der Schweiz, die sich für Friedensförderung und für friedliche Konfliktlösung einsetzen sei es im Inland oder Ausland.» Die Inhalte sollen in Wochen-Blöcken vermittelt werden. Dazu gehören die Reflexion des eigenes Verhältnisses zu Gewalt und Gewaltfreiheit, das Verständnis von sozialen Konflikten und Konfliktlösungs-Strategien sowie die Rolle von vermittelnden Drittparteien in Konflikten.
Der dreiwöchige Grundkurs mit anschliessendem Praktikumsteil und abschliessender Nachbearbeitung der praktischen Erfahrungen soll ein breites Feld von Interessierten ansprechen: neben Menschen, die sich auf gewaltfreie Einsätze im Ausland vorbereiten wollen, vor allem diejenigen, die mit konkreten sozialen Konfliktfeldern in der Schweiz konfrontiert sind oder sich dort einsetzen wollen. Interessant ist, dass die Projektgruppe vor allem Friedensarbeit im Inland unterstützen will, sei es auf Quartier- oder Gemeindeebene, sei es in sozialen Bewegungen. Gemeint sind dabei etwa der Flüchtlingsbereich, Gewalt zwischen Jugendlichen und in der Schule oder Konflikte zwischen AusländerInnen und SchweizerInnen.
Das SöF hat diesen Vorschlag Ende Oktober an vier Hearings in Luzern, Fribourg, Bern und Zürich zur Diskussion gestellt. Diese Gelegenheit wurde von kirchlichen Kreisen, von friedenspolitisch interessierten Organisationen und von engagierten Personen aus dem Bildungs- und Sozialbereich rege genutzt. Ein wichtiger Konsens bezüglich Sinn und Zweck des neuen Friedensbildungsangebots hat sich dabei herauskristallisiert: Zwar bestehen heute schon viele Kurz- und Kürzestangebote für einzelne Teilaspekte, es fehlt aber eine Ausbildung, die den vielfältigen Ansätzen der Konfliktbearbeitung eine gemeinsame Basis auf dem Boden der Gewaltfreiheit gibt. Eine GesprächsteilnehmerInnen fasste diesen Missstand so zusammen: «Die Schweiz und wir selbst sind punkto Gewaltfreiheit unterentwickelt!» Diese Lücke soll der Kurs schliessen helfen.
Unbestritten war auch das Postulat, gewaltfreie Konfliktbearbeitung dürfe Konflikte nicht in einer Wolke von falsch verstanderer Nettigkeit auflösen. Vielmehr gehe es darum, Auseinandersetzungen aus dem Zustand der Gewaltförmigkeit in einen der Kommunizierbarkeit überzuführen. Andere Punkte wurden kontrovers diskutiert. Umstritten war beispielsweise das Postulat der Unparteilichkeit. Von feministischer Seite wurde eingewendet, dass es etwa in Fragen der Männergewalt gegen Frauen durchaus darum gehe, parteilich einzugreifen.
Unsicherheit bestand schliesslich bezüglich der Finanzierbarkeit des Projekts, bezüglich Bedarf und anzustrebendem Zielpublikum. Soll man sich eher auf fest im Berufsleben integrierte Menschen mit knappem Zeitbudget ausrichten, oder ist der Kurs eher für Leute gedacht, die sich sowieso umorientieren wollen und sich daher auf einen auch zeitlich intensiven Bildungsprozess einlassen können? Die Projektgruppe wird in den kommenden Monaten alle Anregungen verarbeiten und ein bereinigtes Konzept vorstellen. Im Idealfall kann der erste Kurs schon 1998 angeboten werden. Wir sind gespannt.