Kosov@/Nato 11. April 1999

Mitteilung der Friedensbewegung Pancevo

Liebe Bürger Europas, Liebe Freunde,

Die Situation in Jugoslawien und auf dem Balkan nimmt eine unerwünschte und den Interessen der Einwohner Jugoslawiens entgegengesetzte Entwicklung. Der Frieden und die Stabilität in dieser Region sind durch NATO-Angriffe noch zusätzlich bedroht, während die Erfindung einer langfristigen, demokratischen und gerechten Lösung für die Beziehungen zwischen Serben und Albanern und für alle anderen zwischenstaatlich- und zwischenvölkischen Probleme in dieser Region noch mehr erschwert ist.

Das hauptsächliche Interesse und der Wunsch der überwiegenden Mehrheit der Bürger Jugoslawiens und Balkans ist die langfristige Stabilität und Entwicklung. NATO hat sowohl durch seine friedenszeitlichen, als auch durch seine Kriegsaktivitäten die gesamte Region von diesem Ideal und von den Werten entfernt, die allen Leuten der Europäischen Union gemeinsam sind. Der Präsident Jugoslawiens, Slobodan Milosevic, ist in allen Kriegsjahren der Logik der stärksten Waffenmacht, auf dem Balkan gefolgt, die ihm den Angriff auf die Bevölkerung Bosniens und Kroatiens ermöglicht hat. Er versuchte diese Taten durch den Kampf für Frieden und Gleichberechtigung eines Volkes in diesen Ländern zu rechtfertigen und als Ziel setzte er langfristigen Frieden und Stabilität. Heutzutage sind wir in der Lage zu beobachten, wie der Präsident der Vereinigten Staaten, Bill Clinton, derselben Logik folgt und sich auf dieselbe Weise benimmt.

Indem er ausserhalb der Kontrolle der weiten internationalen Gemeinschaft wirkt, praktisch als Oberbefehlshaber der NATO-Kräfte, bat sich Herr Clinton mit Herrn Milosevic gleichgesetzt. Was Milosevic früher für den Balkan darstellte, stellt heute Bill Clinton für Europa und für die Welt dar. Die Bürger Europas und Amerikas sollen wissen, dass Milosevic an keinen Wahlen seit 1991 das Vertrauen der Mehrheit der Wähler gewonnen hat, dass die grundlegenden Bürgerrechte in Serbien abgeschaffen sind, dass die Freiheit unabhängiger Medien systematisch erstickt wird, dass sich gesamte Produktionsmittel in seinen Händen befinden, dass die Unabhängigkeit der Gerichtsbarkeit völlig aufgehoben ist. Der konstruktive Widerstand gegen das Regirne Slobodan Milosevic und die massenhaften Strassendemonstrationen sind aber mit der Zeit immer stärker geworden. Nach dem Angriff der NATO-Kräfte sind aber alle Bürger Jugoslawiens ökonomische und militärische Geiseln von Herrn Slobodan Milosovic und von Herrn Bill Clinton. Wir verstehen und akzeptieren die Erklärung von Herrn Clinton, dass der Präsident Jugoslawiens, Slobodan Milosevic, die grösste Verantwortung für die Zerstörung und die Gewalt auf dem Territorium des ehemaligen Jugoslawiens trägt, verstehen aber nicht, warum dann die Zerstörung und die Strafe der NATO-Kräfte nicht gegen Milosevic, sondern gegen die Bürger Jugoslawiens gerichtet sind. Die humanitäre Katastrophe im Kosovo kann nicht durch humanitäre Katastrophen in Jugoslawien gelöst werden.

Die jetzige Lage sieht so aus, als ob zwei starke, erwachsene Männer die Kinder der anderen schlagen, um überprüfen zu können, wer von ihnen länger aushalten wird.

Der langfristige Frieden und die Stabilität in dieser Region sind im grössten Mass von der Entwicklung der Demokratie in Serbien abhängig, aber in dieser Situation, während der NATO-Angriffe, ist Serbien von den politischen, ökonomischen und anderen demokratischen Veränderungen weiter entfernt als je. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen und kulturellen Einrichtungen, der demokratischen politischen Parteien, der Nicht-Regierungs-Organisationen... und anderer Kräfte, die sich für Frieden und Toleranz einsetzen, sind jetzt gefährdet und dadurch auch die Möglichkeiten für Demokratie- und Friedensentwicklung.

Hoffentlich werden wir, wegen den Folgen des NATO-Angriffs, nicht das alles tun müssen, was wir seit 1991 als Friedensbewegung wegen den Folgen der kriegerischen Politik in Jugoslawien, getan haben.

Wir bitten Sie deswegen, Ihre Teilnahme an NATO-Kräften zu überprüfen, positiv zu denken und zu wirken und demokratische Veränderungen in Serbien zu unterstützen,

im Namen der Friedensbewegung Pancevo, Aleksandar Weisner

Fax +381 13 513857 ppm@bozic.co.yu

16. April 1999/uh,
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