| 10. Juni 1999 | |
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Artikel und Interview zur Arbeit der Medienhilfe Ex-Jugoslawien Liebe Leserin, lieber Leser Unabhängige BerichterstattungKosov@ im ExilAm ersten Tag der Nato-Bombardierungen gegen die Bundesrepublik Jugoslawien wurden die Medienprojekte im Kosov@, welche die Medienhilfe Ex-Jugoslawien in den letzten Jahren unterstützt hat, von serbischen paramilitärischen Einheiten ausgeplündert und zerstört. Der Nachtwächter der Tageszeitung "KOHA DITORE" wurde ermordet. RedaktorInnen, JournalistInnen, TechnikerInnen unserer Partnermedien mussten untertauchen, um ihr Leben zu retten. Einige wurden Opfer des Terrors, der von Milosevics Maschinerie aus Militärs und Paramilitärs verbreitet wird. Einige verstecken sich immer noch irgendwo im Kosov@. Glücklicherweise ist es aber den meisten inzwischen gelungen, auf zum Teil abenteuerlichen Wegen aus dem Kosov@ nach Mazedonien zu entkommen. Inzwischen haben sie sich soweit von den Greueln erholt und wieder Energie entwickelt, um im Exil ihre Arbeit wieder von Null auf zu beginnen. Hunderttausende von Flüchtlingen in den Lagern und in Privatunterkünften in Albanien, Mazedonien und Montenegro sind in einer verzweifelten Lage. Neben ihrer Abhängigkeit von humanitärer Soforthilfe sind sie auch im Ungewissen über ihre Familienangehörigen und ihre Zukunft. Neben Nahrungsmitteln, Kleidern, Unterkünften und medizinischer Betreuung brauchen sie wieder Information über die Gegenwart und eine Perspektive für die Zukunft. Um über den Verbleib ihrer Familienangehörigen, über die laufenden Ereignisse und Entwicklungen und über die Perspektiven informiert zu werden und diskutieren zu können, sind diese Menschen auf unabhängige, professionelle Medien angewiesen. Wir rufen die LeserInnen des SSM-express dringend auf, die Anstrengungen unserer PartnerInnen für eine unanhängige Medienberichterstattung zu unterstützen. Herzlichen Dank für Ihre Spende auf PC 80-32253-9, Medienhilfe Ex-Jugoslawien Zürich. Roland Brunner Anmerkung: |
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Projekte der Medienhilfe Ex-JugoslawienMedienprojekt Radio/Fernsehen RTV 21Am 24. März wurden das Studio und die Produktionsanlagen von Medienprojekt RTV 21 in Pristina von serbischen Einheiten zerstört. Vorher produzierte Radio 21 täglich Programme und sendete sie über Internet und zweimal täglich 15 Minuten über den BBC-Satelliten Hotbird. Die Crew von RTV 21, 16 Radio- und FernsehjournalistInnen und 10 KorrespondentInnen um die Gründerin und Direktorin Aferdita Kelmendi, ist heute fast vollzählig in Mazedonien und hat von dort inzwischen die Internet-Sendungen in englischer und albanischer Sprache wieder aufgenommen (hjttp://www.radio21.net). Im Vordergrund steht dabei die Information zur Familienzusammenführung, über humanitäre Hilfe, medizinische Versorgung usw. für die Flüchtlinge. Das Team will eine mobile Infrastruktur einrichten, die so bald als möglich nach Pristina mitgenommen werden kann, um wieder aus dem Kosov@ und für den Kosov@ zu produzieren. Für den Moment wird abgeklärt, über welche lokalen und nationalen Stationen in Mazedonien und Albanien und über internationale Sender die Programme von RTV 21 ausgestrahlt werden können. Mit Radio Netherlands wurde ein Abkommen für zwei Sendestunden täglich abgeschlossen; die Verhandlungen mit BBC sind am laufen. Zudem plant das Team von RTV 21 die Wiederaufnahme seiner eigenen Fernsehproduktionen. Zeitung KOHA DITORE (Daily Times)Viele sprechen im Moment für oder im Namen der kosovo-albanischen Bevölkerung: die NATO, die westlichen Regierungen und die Regierung in Tirana, Ibrahim Rugova und Hashim Taçi. Die eigene politische Stimme der Kosovo-Albaner aber ist weitgehend verstummt. Während Veton Surroi, Verleger der Zeitung, sich immer noch irgendwo im Kosov@ im Untergrund aufhält, ist Baton Haxhiu, Chefredaktor der wichtigsten kosovo-albanischen Zeitung Koha Ditore, mit anderen heute in Mazedonien. Ein Monat nach der Ermordung des Nachtwächters, der Zerstörung der Druckerei in Pristina und der Plünderung der Redaktions- und Produktionsräume hat KOHA DITORE die Veröffentlichung mit einer Rumpfbelegschaft von 23 JournalistInnen dort wieder aufgenommen. Täglich kommen weitere JournalistInnen dazu, aber immer noch fehlt es am grundlegendstem für die Zeitungsproduktion: Telefon- und Fax-Linien, Computer usw. Die täglich 16 Zeitungsseiten werden gratis in einer Auflage von 10'000 Kopien in den Flüchtlingslagern Mazedoniens verteilt. Weitere 25'000 Zeitungen werden in Frankfurt gedruckt und in Westeuropa vertrieben. Im Vordergrund steht dabei neben der Berichterstattung über Tagesaktualitäten die Veröffentlichung der Vermisstenlisten, um abgerissene Familienkontakte wieder herzustellen. In den nächsten Wochen will KOHA DITORE die Auflage um 10'000 Exemplare erhöhen, um sie auch in den Lagern Albaniens verteilen zu können. Zudem ist die Produktion einer englischen und albanischen Internet-Ausgabe vorgesehen. Zeitschrift ZERI (Stimme)Nach ihrer Vertreibung aus dem Kosov@ planen die MacherInnen der politisch-analytischen Wochenzeitschrift Zeri jetzt aus Mazedonien die Produktion einer zweimal wöchentlich mit acht Seiten erscheinenden Zeitschrift für Albanien, Mazedonien und Montenegro. Die Vertriebenen ausserhalb des Kosovo und diejenigen, die sich noch in der Provinz aufhalten, sind ohne Orientierung und Führung. Nur einzelne Intellektuelle haben sich in Sicherheit bringen können. "Zeri im Exil" ist vor allem von Bedeutung, um der zerschlagenen politischen Szene der Kosov@-AlbanerInnen wieder eine Plattform zu geben. Blerim Shala, Mitglied der Verhandlungsdelegation in Rambouillet und Paris und Chefredaktor der Zeitschrift, und die vierzehn anderen Herausgeber haben sich der parteiübergreifenden Diskussion und Suche nach gemeinsamen kosovarischen Perspektiven verschrieben. Analysen, Interviews und Kommentare stehen dabei im Vordergrund. Dabei plant Zeri drei Ausgaben: eine lokale Zeitung, die aus Mazedonien für die Flüchtlinge verteilt wird; eine internationale Ausgabe, die in Frankfurt gedruckt und in der Diaspora vertrieben wird, und eine Internet-Ausgabe in englisch und albanisch. |
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Detaillierte Informationen über die Projekte und PartnerInnen, Hintergrundinformationen und laufende Aktivitäten finden sich auf der Homepage der Medienhilfe Ex-Jugoslawien unter http://www.medienhilfe.ch oder sind direkt zu beziehen bei Medienhilfe Ex-Jugoslawien,
Postfach, 8031 Zürich. |
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