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GSoA Zeitung November 2004 Bosnien und militärische Auslandeinsätze, Sonderbund Rüstungsgeschäfte |
GSoA - Zeitung November 2004
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CIMIC - ein brisanter CocktailDie Zusammenarbeit zwischen Militär und zivilen Organisationen ist seit den Interventionen im ehemaligen Jugoslawien in diversen Nachkriegssituationen stark ausgebaut worden. Die CIMIC (Civil Military Cooperation) kommt dort zum Zuge, wo das Militär Aufgaben übernehmen muss, für die Soldaten nicht ausgebildet sind. Diese Kooperation ist brisant. Die grosse Brisanz der zivil-militärischen Zusammenarbeit entsteht dann, wenn die Zusammenarbeit Friedensorganisationen einbezieht, die sich für Zivile Konfliktbearbeitung und Entwicklungszusammenarbeit einsetzen. Sie liegt darin, dass die Friedensorganisationen in dem von der «großen Politik» festgelegten Rahmen als Instrument des Militärs zur Problembewältigung in Nachkriegssituationen eingesetzt werden. Außerdem besteht das grundsätzliche Strukturproblem, dass finanzielle Habenichtse mit den finanziell sehr potenten Militärs kooperieren und dadurch eine schwerwiegende Asymmetrie vorprogrammiert ist. Manche werden trotzdem aufgrund von Erfahrungen in Auslandseinsätzen CIMIC rechtfertigen. So etwa war es für friedenspolitische Gruppen, die im Bosnien-Krieg in eine gefährliche Lage kamen, eine Erleichterung, wenn die Situation durch das Auftauchen der jeweils richtigen Militärkräfte entschärft werden konnte. Oder man durfte die militärischen Kommunikations- oder Transportmittel mit benutzen. Doch können solche Erfahrungen CIMIC wirklich rechtfertigen? Diese Erfahrungen beruhen auf punktuellen, spontanen Situationen, während CIMIC auf die Vorbereitung einer organisierten und programmatischen Zusammenarbeit zielt. Das ist ein Unterschied ums Ganze. Das «humanitäre» Militär gefährdet humanitäre ArbeitIn Berlin fand vor wenigen Monaten ein Fachgespräch zum Thema «Zivile und militärische Komponenten im Nachkriegs-Wiederaufbau - Chancen und Risiken einer ungewohnten Nachbarschaft» statt, an der neben dem Bundesministerium zahlreiche NGOs teilnahmen. Eingangs der Tagung warf Christoph Weller (Institut Entwicklung und Frieden) folgende Fragen auf: «Mit welchen Zielen planen verschiedene Akteure einen Einsatz im Krisengebiet? Welche Unterstützung der eigenen Zielsetzungen wird von der anderen Seite erwartet oder gar vorausgesetzt? Kennen die zivilen Akteure die Einsatz-Ziele und -Strategien des Militärs? Verstehen die militärischen Akteure die Herangehensweise und Konzepte entwicklungspolitischer Maßnahmen sowie die Ansätze Ziviler Konfliktbearbeitung? ....» Das Fachgespräch nahm dann vor allem Bezug auf konkrete Nachkriegssituationen: Die «Ärzte ohne Grenzen» beklagten, dass, wenn militärische Einsätze mit humanitären Motiven begründet und legitimiert würden (wie im Fall des Kundus-Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan), dies die humanitäre Hilfe politisiere und den «Ärzte ohne Grenzen» in den Augen der Einheimischen die so wichtige Neutralität nehme. Deshalb distanziere sich die Organisation von humanitärem Engagement durch militärische Akteure. Denkt man hier weiter, so bedeuten Bundeswehreinsätze wie in Kundus die systematische Durchsetzung von CIMIC selbst gegen das erklärte Interesse der dort arbeitenden NGOs. Zum Abschluss der Tagung formulierte Angelika Spelten (Institut Entwicklung und Frieden) eine interessante Fragestellung: «Die Bundeswehr möchte die Voraussetzungen für Nachhaltigkeit schaffen, schafft aber diese Nachhaltigkeit nicht selber. Die extern erzwungene Stabilisierung der Situation muss langfristig in eine intern getragene Stabilität transformiert werden. Die Akteure dieser Transformationen sind entwicklungspolitische Organisationen und Friedensorganisationen. Müssten diese demzufolge nicht schon in die Mandatsdefinition einbezogen werden?» Der Anspruch, in die Mandatsdefinition einbezogen zu werden, ist eine interessante politische Forderung oder gar Herausforderung. Was ist, wenn sie nicht erfüllt wird? Endet dann CIMIC? Eine Bewertung von CIMICCIMIC ist nicht einfach zu bewerten, spielen doch viele unterschiedliche Ebenen und Gesichtspunkte dabei eine Rolle. Als Anregung für die notwendige Diskussion die folgenden Thesen:
Prof. Dr. Andreas Buro, ehemals Professor für Politikwissenschaft an der Uni in Frankfurt a. M., ist friedenspolitischer Sprecher des Komitees für Grundrechte und Demokratie. Das Komitee hat im September 2004 zusammen mit anderen friedenspolitischen Organisationen in Deutschland einen Aufruf lanciert, der von der Bundesregierung und dem Bundestag fordert, das ISAF-Mandat für die Bundeswehr in Afghanistan nicht zu verlängern. Die Organisation «Ärzte ohne Grenzen» stellte ihre Projekte in Afghanistan in Juni 2004 ein. Sie begründete diesen Schritt damit, dass die «bewusste Vermischung von humanitärer Hilfe mit militärischen Zielen» die zivilen HelferInnen zu «Zielscheiben» gemacht habe. Swiss Peace Corps?(sl) Neben «PSYOPS» (psychologischen Operationen zur «Meinungssteuerung» der Bevölkerung) ist «CIMIC» seit Entsendung der ersten Swisscoy-Truppe nach Kosov@ ein Lieblingswort der Planer von Auslandseinsätzen im VBS: CIMIC wird aktiv angestrebt, die Armee hat im Einsatzstab Heer sogar einen «Chef CIMIC». Die kritischen Stimmen aus EDA, DEZA, SKH und Parlament kümmern das VBS anscheinend wenig. Zudem geistern immer mal wieder Ideen zur Schaffung einer «neutralen Friedenstruppe» durch die Schweizer Medien, die «CIMIC» als Hauptauftrag haben soll. Der Zürcher Arzt Emil Steiger hat schon 1998 vorgeschlagen, eine «bewaffnete humanitäre Einsatztruppe» zu schaffen. Und im September 2004 träumten Brigadier aD Peter Arbenz und Andreas Kohlschütter in der NZZ von einer «International Humanitarian Protection Force». Davon abgesehen, dass die Schaffung einer solchen Truppe die Trennung zwischen militärischen und zivilen Aufgaben in einem Konfliktgebiet ganz aufheben würde, scheint angebracht zu bemerken: Die Welt braucht keine humanitäre Friedenstruppe «swiss made», sondern Anstrengungen, den zivilen und in Ausnahmefällen militärischen Anstrengungen der Uno wieder zu mehr Legitimation und Wirkung zu verhelfen. | ||
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