Deutliche Mehrheiten gegen Aufrüstung, Atomwaffen, SVP-Neutralität

Sicherheit 2026, Umfrage von MILAK und CSS an der ETH Zürich

26.05.2026 Die politisch relevantesten Ergebnisse der Umfrage der Militärakademie und des Center for Security Studies lauten: Zwei Drittel sind gegen Mehrausgaben für die Armee, die meisten Befragten sind gegen Atomwaffen, nur eine Minderheit ist für die bewaffnete Geldsack-Neutralität, über die wir nächstens abstimmen.

Dass die Zahl jener, die finden, die Schweiz gäbe zu wenig für Militär und Rüstung aus, auf 29 Prozent gestiegen ist, kann angesichts der medialen Aufrüstungs-Monotonie nicht überraschen. Beachtlicher ist die Tatsache, dass die Zahl jener, die finden, die Schweiz gäbe zu viel aus, mit 32 Prozent höher ist. Diese «konkreten Antworten» sind gemäss Josef Lang, Vorstandsmitglied der GSoA, «relevanter als die Gratis-Antworten auf allgemeine Fragen wie die nach einer vollständig ausgerüsteten› Armee». Wenn die MILAK und die CSS diesen Punkt in den Fokus rücken, lenken sie ab vom Handfesten. 

Politisch aktuell sind aufgrund der vor Weihnachten eingereichten Volksinitiative für den Beitritt der Schweiz zum UNO-Atomwaffenverbotsvertrag die Antworten bezüglich Nuklearbomben. Die Studie hält selber fest, dass «die stimmberechtigte Bevölkerung der Schweiz Atomwaffen kritisch» bewertet. Dass eine Mehrheit sogar auf die Suggestiv-Frage: «Wenn Diktaturen Atomwaffen haben, dann sollten auch Demokratien Atomwaffen haben» kritisch reagierten, zeugt von friedenspolitischer Reife. Und wohl auch vom historischen Wissen, dass es eine Demokratie war, die Hiroshima und Nagasaki atomar zerstörte. Elia Gerber, politischer Sekretär der GSoA, stellt fest «Diese Umfrage bestätigt, dass die Atomwaffenverbots-Initiative mehrheitsfähig ist».

Viel schlechter sieht es für die SVP-Initiative aus, die die Neutralität als «bewaffnet» festschreiben und Sanktionen gegen Kriegsherren verhindern will. Eine deutliche Mehrheit hat den Glauben verloren, dass die Neutralität militärisch geschützt werden kann. Das zeigt sich auch in der Tatsache, dass die Aussage «Entwicklungshilfe bringt mehr Sicherheit als ein starkes Militär» auf mehr Zustimmung als Ablehnung stiess. Besonders erfreulich findet die GSoA, die das Füllen Putins Kriegskasse schon während des Tschetschenienkriegs verurteilte, dass fast drei Viertel der Befragten die Sanktionen gegen Russland unterstützen. 

Die Umfrage-Ergebnisse bekräftigen unser universalistisches Verständnis von Neutralität. Dass 58% dafür sind, dass sich die Schweiz «aktiv und an vorderster Front für die Anliegen der UNO» einsetzt, müsste der Bundesrat ernster nehmen. Hingegen ist der mehrheitliche Wunsch, sich der Nato anzunähern, nicht besonders relevant. Es handelt sich dabei um den «Bau von Luftschlössern», da eine wirkliche «Nato-Kooperation» weder mit dem Milizsystem noch mit der Neutralität kompatibel ist. Wenn nur 15 Prozent für die Abschaffung der Neutralität, aber doppelt so viele für den Nato-Beitritt sind, ist das ein offensichtlicher Widerspruch. 

Leider hat es die Umfrage unterlassen, die Neutralitätsfrage im Zusammenhang mit den Kriegsmaterialexporten zu konkretisieren. Das hätte sie gezwungen, neben der SVP-Initiative und dem durch die Lockerung des Kriegsmaterialgesetzes desavouierten Manifest 21 den dritten Weg der Neutralität ernst zu nehmen: den friedenspolitisch-weltsolidarischen.