Vernehmlassung: Die GSoA lehnt die Einführungen eines obligatorischen Orientierungstages für Frauen ab

02.03.2026. Die GSoA spricht sich im Rahmen der Vernehmlassung gegen eine Einführung eines obligatorischen Orientierungstages für Frauen aus. Dieses Vorhaben wird vom Bundesrat als Gleichstellungsmassnahme verkauft. Der Orientierungstag ist jedoch keine angemessene Antwort auf die Herausforderungen in Bezug auf Sicherheit oder Gleichstellung.

Sie finden hier die vollständige Vernehmlassungsantwort der GSoA (auf französisch)

«Dieser Gesetzesentwurf basiert auf falschen Annahmen. Frauen eine neue Verpflichtung aufzuerlegen, obwohl die Gleichstellung in anderen Bereichen weiterhin nicht gegeben ist, stellt einen unverhältnismässigen Eingriff dar und bürdet den Frauen eine zusätzliche Last auf. Das Vorhaben entspricht weder den objektiven Sicherheitsbedürfnissen noch den Anforderungen echter Gleichstellung», kommentiert Elia Gerber, politischer Sekretär der GSoA. Das VBS hat es immer noch nicht geschafft, eine Analyse der tatsächlichen Sicherheitsbedürfnisse in der Schweiz vorzulegen, sondern konzentriert sich ausschliesslich auf militärische Aspekte. Schlimmer noch, es beharrt weiterhin auf der Erzählung des angeblichen Personalmangel in der Schweizer Armee, um Frauen in die Armee zu bringen. Dieser Mangel ist jedoch faktisch falsch.

Echte Gleichstellung kann nur durch weitreichende politische Massnahmen erreicht werden und nicht dadurch, dass Frauen dieser neuen Verpflichtung und dem Militärstrafgesetz unterworfen werden. Jungen Frauen eine zusätzliche Verpflichtung aufzuerlegen, die schwerwiegende Folgen haben kann, zeugt von einer strafenden und zwanghaften Sichtweise der Gleichstellung. Dabei wird die wichtige Rolle von Frauen in der Sicherheit im weiteren Sinne, nicht nur im militärischen Bereich, völlig ausser Acht gelassen. 

Darüber hinaus zeigt die Realität der geschlechtsspezifischen und sexualisierten Gewalt in der Schweizer Armee deutlich, dass dieses Umfeld insbesondere für Frauen nicht sicher ist. Die vor etwa einem Jahr veröffentlichte Studie zu geschlechtsspezifischer Diskriminierung und sexualisierter Gewalt in der Armee beschrieb eine Institution, in der Belästigung, Übergriffe und die Banalisierung von Gewalt an der Tagesordnung sind, während die Mechanismen zur Prävention, zum Schutz der Opfer und zur Bestrafung nach wie vor unzureichend sind. «Diese Studie hat aufgezeigt, dass jede zweite Person in der Schweizer Armee von Diskriminierung betroffen war, und erklärt dies damit, dass ‹Diskriminierung und sexualisierte Gewalt mit der Organisationskultur der Schweizer Armee verflochten› sind. Bevor diese Kultur geändert ist, ist es unverantwortlich, das Engagement von Frauen in der Armee aktiv zu fördern – und sie erst recht dazu zu zwingen», kritisiert Elia Gerber.

Angesichts dessen fordert die GSoA den Bundesrat und das Parlament auf, dieses Projekt eines obligatorischen Orientierungstages für Frauen aufzugeben und sich stattdessen auf wirklich gleichberechtigte Massnahmen für alle zu konzentrieren, wie beispielsweise Aktionspläne gegen Lohnunterschiede oder gegen geschlechtsspezigische und sexualisierte Gewalt. Im Bereich der Sicherheit der Bevölkerung gibt es viel zu tun, aber die sexistische Armee ist sicherlich nicht das geeignete Instrument, um diese Sicherheit zu erreichen.