Die Schweiz, ein neutrales Land und unermüdlich für den Frieden engagiert? Die Ausstellung im Landesmuseum in Zürich (bis Februar 2027 zu sehen) widerlegt dieses Bild radikal.
Der Krieg hat die Schweizer Identität nachhaltig geprägt und neue Machtverhältnisse sowie soziale Spannungen hervorgerufen: Durch die Gewinne aus Söldneraktivitäten ebenso wie aus dem Kriegsmaterialhandel.
Das Bild der Schweiz als neutrales und friedensförderndes Land offenbart somit seine ganze Heuchelei. Dies liegt vielleicht daran, dass Organisationen, die sich für die friedliche Lösung von Konflikten einsetzen, wie das Rote Kreuz oder solche, die offen antimilitaristisch und pazifistisch sind, wie die GSoA, am Ende des Ausstellungsrundgangs nur wie eine winzige Fussnote wirken. Aus dieser Perspektive ist das Ausstellungsplakat genial: Was wie eine harmlose Bauernhütte aussieht, entpuppt sich als Militärbunker.
Anhand von Objekten, Videoinstallationen und Dokumenten werden die Besuchenden dazu angeregt, gängige Vorstellungen über das Verhältnis der Schweiz zum Krieg zu hinterfragen: Ein Thema, das oft als weit entfernt wahrgenommen wird, aber tief in unserem Land verwurzelt ist.
Trotz Widersprüchen ist die Ausstellung einen Besuch wert, da sie zu einer direkten Auseinandersetzung mit den zahlreichen Schattenseiten unserer Geschichte zwingt. Wer verstehen will, wie tief Militarismus in unserer Nation verwurzelt ist, sollte diese kritische Perspektive nicht verpassen. Ein notwendiger Beitrag zur historischen Aufarbeitung, der zum Nachdenken anregt, auch wenn er Fragen offen lässt.
Noemi Buzzi
