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Hauptseite Zeitung 94, September 2001 Öffnung, Zivildienst |
Gruppe für eine Schweiz ohne Armee
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Ziviler Friedensdienst
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Neue Gesichter im Seki Birsfelden Korrigendum GSoA- Zitig Nr. 96 Armeefrei im dritten Jahrtausend Gewissensprüfung abschaffen, Dauer verkürzen Nato oder Uno? Armee oder keine? Friedfertig statt friedhöflich... «Tschou, wie geits?»: als Freiwilliger im Kosov@ Vor den Waffen nicht die Waffen strecken |
«Tschou, wie geits?»: als Freiwilliger im Kosov@Es war kein leichter Entschluss. Heute kann ich sagen, dass ich richtig entschieden habe: Ich habe drei Monate als Freiwilliger im Jugend-Projekt von SCI und GSoA in Vushtrri gearbeitet. Agnes, Joachim und ich waren das erste Team, das in den Kosov@ reiste. Ich bin der erste Rückkehrer in die Schweiz. Hier mein Erfahrungsbericht. Aller Anfang ist schwer, zumindest nicht einfach. So war das auch bei uns. Wir brachten viele Vorstellungen und Ideen aus der Schweiz mit nach Vushtrri, für die wir später nur noch ein Schmunzeln übrig hatten. Unsere Aufgabe war: Rekognoszieren, evaluieren, formulieren. Wie beim rekognoszieren für eine Schulreise muss man sich zuerst fragen: Wo überhaupt liegt genau unser Ziel? Gibt es einen Weg zum Ziel? Wenn ja, welcher Weg ist der beste? Wie viele SchülerInnen können wir mitnehmen? Laufen schon viele andere diesen Weg? Wer kann uns behilflich sein dabei und uns auf die Gefahren oder Problemstellen aufmerksam machen? Fragen über Fragen, die einen dichten Nebel um uns bildeten. Aufgaben und Probleme des ersten Teams Am meisten zu schaffen gab uns aber die Tatsache, dass manche Leute in Vushtrri schlicht nicht begriffen, was unsere Aufgabe als erstes Team war. Wir konnten ihnen auch nicht erklären, was wir machen, was uns beschäftigt und was uns immer wieder blockiert. Sie wollten uns einfach in Aktion sehen beim Spielen und Lernen mit den Kindern, bei Freizeit-Aktivitäten mit den Jugendlichen. Sie wollten sehen, dass wir arbeiten. Genau das konnten wir aber noch nicht in der Form. Wir waren ständig am Arbeiten, fast Tag und Nacht, aber diese vorbereitenden Arbeiten waren nicht sichtbar. Im ersten Team mitzuarbeiten war sehr interessant, da wir das Projekt und seinen weiteren Verlauf entscheidend mitprägen konnten. Es war manchmal aber auch undankbar und unbefriedigend, da man nichts Konkretes vorweisen kann und sich immer wieder selber neu motivieren muss. Ich bin sehr froh, dass wir im letzen Monat unseres Aufenthalts konkrete Aktivitäten für die Kinder starten konnten. Das Leben eines Freiwilligen in Vushtrri Wir hatten kein Auto und waren deshalb viel zu Fuss unterwegs. Unsere Arbeitsbedingungen waren nicht gerade optimal, aber wir haben uns daran gewöhnt, wie noch so an manch anderes. Zum Beispiel an das Warten: Im Kosov@ gibt es ein ungeschriebenes Gesetz: «Halte nie einen Termin ein!» Die Bevölkerung in Vushtrri schätzte uns aber sehr. Wir wurden äussert gut behandelt und hatten viele ganz gute Freunde. Wir fühlten uns mit der Zeit irgendwie ein bisschen zuhause in Vushtrri. Es ist normal, dass wir uns vor allem mit den RückkehrerInnen aus der Schweiz oder Deutschland angefreundet haben - und von denen gibt es viele. Irgendwie ist es doch schon sehr speziell, wenn man durch Vushtrri läuft und plötzlich hört, wie ein Albaner sagt: «Tschou, wie geitŐs?» - «Guet, u dir?» - «Es mues!» Wir arbeiteten jeweils bis in den Abend hinein. Den Abend verbrachten wir häufig bei Familien oder im Restaurant in Vushtrri, wo man übrigens hausgemachte Berner Röschti bestellen kann. Manchmal verkrochen wir uns aber auch in unserer kleinen Wohnung, weil es uns zu viel wurde. In Vushtrri kennen sich alle. Wir wurden auf Schritt und Tritt beobachtet. Manchmal mussten wir uns am Sonntag nach Prishtina in die Anonymität flüchten. Wir passten uns dem Rhythmus der Menschen im Kosov@ an und gingen spät ins Bett. In Gedanken an den nächsten Tag und seine Überraschungen schlief ich dann ein, wenn nicht gerade ein Rudel bellender und jaulender Hunde vor dem Haus durchzog. Was haben wir erreicht? Als eher kurzfristiges Projekt kann man das Sommerferienprogramm bezeichnen. Mit diesem Programm haben wir den Kindern von Vushtrri (auch vielen Waisenkinder) die Möglichkeit geboten, während ihrer 10-wöchigen Sommerferien an verschiedenen Aktivitäten teilzunehmen. Einerseits boten wir verschiedene Kurse oder Workshops an (Malen, Origami-Falten), Deutschkonversation für Rückkehr-Kinder usw. und andererseits sind wir jeweils von Montag bis Freitag auf dem Schulhausplatz anwesend und offerieren den anwesenden Kindern Aussenaktivitäten (Spiele). Jeweils am Freitag fand ein spezieller Anlass statt (kleine Wanderung mit Picknick, Olympiade mit Preisen). Um diese Aktivitäten durchzuführen, sind seit August auch Kurzzeitfreiwillige für einen Monat im Einsatz. Wir organisierten diesen Sommer in Zusammenar- beit mit der italienischen Organisation «Amici dei Bambini» den ersten «Vushtrrian School Football Cup», ein Fussballturnier für SchülerInnen, das über 3 Tage hinweg stattfand. 20 Teams machten mit. Es war ein sehr anstrengendes Turnier, aber den SchülerInnen hat es sehr gut gefallen. Gedanken danach Weitere Informationen über das Projekt unter www.4u2.ch
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