Schafft die Armee bloss nicht ab!

Es wird Herbst, die Jahreszeit, in der alleinstehende Menschen vom Begehren gebeutelt werden, die Garstigkeit des Winters nicht ungepaart erdulden zu wollen eine Zeit, in der traditionellerweise eine Hausse an der Kontaktanzeigenbörse zu verzeichnen ist.
Eine Bekannte hat mir jüngst Einblick in einen Stoss von Briefen gewährt, welche sie als Folge einer von ihr nur zum Spass aufgegebenen Kontaktanzeige erhalten hatte. Neugier obsiegte gegen moralische Bedenken, und schon bald wühlte ich hemmungslos und vor Vergnügen prustend in den Bijoux mannhafter Verführungskunst. Was haben wir gelacht.
Zu den unbestrittenen Highlights gehörte das Abbild eines jungen Mannes, der auf seinem mit einer Coca-Cola-Steppdecke bezogenen Bett Hanteltraining betrieb, dicht gefolgt von meinem ehemaligen Singlehrer, der mit einer Fotografie, die ihn mit akustischer Gitarre und violettem Stoff-Beinkleid zeigte, auf Brautsuche ging. Ein Konglomerat aus Rührung und Heiterkeit provozierte die lüpfige Einstiegszeile ´Hallo, ich bin ein Kamerunª, eines afrikanischen Mitbewerbers, während ein in hautenger Joggingmontur beim Stretchen abgelichteter Brusthaarträger nur wenig Sympathie zu entfachen vermochte.
Wer etwas von der Liebe und den Menschen verstehen will, der brauche bloss Kontaktanzeigen oder die Repliken auf die selben zu lesen. Von bewunderten Psychologen geschriebene Bücher mit Titeln wie ´Was wollen die Männer? oder Warum wollen die Frauen nicht?ª muten auf einmal überflüssig an. Die Antworten finden sich in den Kuschelecken der Tageszeitungen oder auf den Fotografien balzender Herrschaften. Etwas irritiert hat mich unlängst indes folgender bemerkenswerter Aufsatz einer paarungslüsternen Dame:
“Kätzschen sucht Kater für gemeinsames Mausen. Ich bin 27 J/170, liebe alles was Spass macht (Tanzen, Schiessen, Militär). Lasse mich nicht lange warten. Zuschriften unter Chiffre *-***** an Berner Zeitung, AKUS, Postach, 3001 Bern”
Aha! Tanzen, Schiessen, Militär: Das ist es also, was den Kätzchen Spass macht. Der Verdacht liegt allerdings nahe, dass hinter diesem Inserat eine ganz fiese GSoA-Aktivistin steckt, die sich einen Spass daraus macht, ahnungslose Militär- und Schiesseisenfreunde in einen gemeinen Hinterhalt zu locken und deren Briefe dann zur Belustigung ihrer WG-Genossinnen an den Kühlschrank neben die männerfeindlichen Witze zu pinnen. Aber vielleicht ist es ja genau das, was die Frauen wollen. Vielleicht stossen die ungezählten desperaten Inserate von Offizieren, die eine Begleitung für den Offiziersball suchen, jeweils auf reissendes Interesse, vielleicht ist die Synapse Militär-Erotik-Spass in Frauengehirnen noch nicht verkümmert.
Ein Zürcher Freund von mir hat jedenfalls auch eine Anzeige aufgegeben und war so unvorsichtig, sich in einem unbedachten Nebensatz als GSoA-Aktivist und Lehrer zu outen. Gemeldet hat sich niemand. Wir haben daraus geschlossen, dass pazifistische Schulmeister mit Kontaktdefiziten sehr reduzierte Anziehungskraft auf die Damenwelt auszuüben. Also doch Tanzen, Schiessen und Militär. Mannen dieses Landes: Wenn euch wirklich etwas an euren Kätzchen liegt, dann schafft sie bloss nicht ab, eure und deren Armee.