Waffenexporte aus feministisch-theologischer Sicht

«Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.»

So lautet eines der bekanntesten ökumenischen Bekenntnisse der weltweiten Christenheit. Er wurde im Jahr von der ersten Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen 1948 in Amsterdam angesichts des unermesslichen Leids der Weltkriege formuliert und bleibt im kirchlichen Kontext ein zentraler Appell für den Frieden.

Esther Gisler Fischer, Neue Wege

Leider sind momentan die Kirchen hierzulande schlechte Hüterinnen dieser Botschaft: Ihrem gesellschaftlichen Relevanzverlust begegnen sie, indem sie die Alternativlosigkeit von Aufrüstung und Miltarismus betonen und damit das kritische Potenzial des Evangeliums preisgeben.

Einzig die Friedenskirchen der Täufer, Mennoniten und Quäker halten das weisse Fähnlein des Pazifismus noch hoch. (Max Daetwyler, der Mann mit der weissen Fahne; ein Verfechter der konsequenten Gewaltlosigkeit und weltbekannte Symbolfigur des Pazifismus lässt grüssen.)

Diese engagieren sich nach wie vor für die Anwendung gewaltloser Strategien sozialer Verteidigung.

Die Vision des ‹Reich Gottes› von dem Jesus von Nazareth in der Bergpredigt gesprochen hatte, war laut dem Theologen und Psychoanalytiker Eugen Drewermann ein «Neuanfang in radikaler Abkehr von Krieg und Gewalt; es ist die Verwirklichung jenes Friedens und jene Gewaltlosigkeit, nach welchen im Grunde alle Menschen sich sehnen, wofern sie nicht in der Verwirbelung der Angst um und um gedreht werden.»

Aus feministischer Sicht ist die Ausfuhr von Waffen ziemlich fragwürdig: Die Resolution 1325, welche die Agenda ‹Frauen, Frieden, Sicherheit (FFS)› begründete, wurde 2000 vom UN-Sicherheitsrat einstimmig angenommen. Sie ist das Ergebnis des weltweiten Engagements von Friedensaktivistinnen und der Zivilgesellschaft. Sie soll Frauen an der Konfliktprävention und am Friedensprozess beteiligen, sie in Konflikten schützen, vor Gewalt bewahren und nach Konflikten in den Wiederaufbau einbeziehen. So unterstreicht und erweitert sie den

Geltungsbereich und die Bestimmungen internationaler Vereinbarungen für Schutz, Partizipation und Geschlechtergerechtigkeit wie die UNO-Frauenrechtskonvention CEDAW, die Istanbul-Konvention und die Ziele 5 und 16 der Agenda 2030.

Die Ausfuhr von Kriegsmaterial ist eine Hauptsorge der FFS-Agenda, die in direktem Zusammenhang mit der Verletzung von Menschen- und Frauenrechten im Besonderen steht. Auch Schweizer Unternehmen beteiligen sich intensiv am Waffenhandel. Laut einem

Bericht des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO wurde 2020 Kriegsmaterial im Wert von 901,2 Mio. CHF exportiert. Das sind 24 % mehr als im Vorjahr. Damit erreichte die Schweiz Platz 14 im weltweiten Ranking der Waffenlieferungen. Bestimmte militärische Güter und solche mit doppeltem Verwendungszweck (dual use) sind in dieser Statistik nicht enthalten.

Zählt man diese hinzu, belaufen sich die Exporte auf 3,8 Mia. CHF.

Waffen verlängern Krieg nur und sind eine Gefahr für die Zivilgesellschaft. Insbesondere ein Anstieg häuslicher Gewalt mit Schusswaffen ist  bei der Verfügbarkeit von solchen festzustellen.

Louise Schneider, ein GsoA-Urgestein, religiöse Sozialistin und ‹polternde Pazifistin mit warmem Herzen› sprayte 2017 an eine Baustellenabschrankung der Schweizerischen Nationalbank «Geld für Waffen tötet.» Ihr Engagement war damals und ist heute noch gespeist aus der Widerständigkeit der biblischen Botschaft; insbesondere der Bergpredigt; dem pazifistischen Manifests des Nazareners: 

«Selig sind die Armen, denen sogar das Gottvertrauen genommen wurde, denn ihnen gehört Gottes Welt.
Selig sind die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Landerben.
Selig sind die, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden satt werden. 

Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erfahren.
Selig sind die ,die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott sehen.
Selig sind die, die für den Frieden arbeiten, denn sie werden Töchter und Söhne Gottes heissen.
Selig sind die, die verfolgt werden, weil sie die Gerechtigkeit lieben, denn ihnen gehört Gottes Welt.
Selig seid ihr, wenn sie euch um meinetwillen beschimpfen, verfolgen und böse Lügen
über euch verbreiten.»

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