|
Von Toni Bernet, Sekretär der Umverteilungsinitiative
Es steht heute in einem krassen Missverhältnis, wieviel an Ideen,
personellen Kapazitäten und Geld aufgewendet werden für zivile
und für militärische Konfliktbearbeitung:
Vergleichen wir die Budgetposten im Bundehaushalt: Im Budget des EDA
für "Friedensförderung" stehen in diesem Jahr etwa 30 Millionen
Franken zur Verfügung, die für zivile Beiträge an UNO-
und OSZE-Projekte geleistet werden, inkl. die Ausbildung und den Einsatz
für MenschenrechtsbeobachterInnen und das in diesem Jahr beginnende
Projekt zur Ausbildung von Friedensförderungs-ExpertInnen; beim VBS
ist der Budgetposten "Friedensförderung" in diesem Jahr etwa
doppelt so hoch (inkl. Swisscoy-Einsatz) aber rund dreissig Mal
mehr wird allein für Rüstungskäufe ausgegeben.
Gegenüber einer grosszügig berechneten Summe von anderthalb
Miliarden Franken für die internationale Friedensförderung (darin
ist die gesamte Entwicklungszusammenarbeit mitgezählt) gibt die Schweiz
das dreifache für die Landesverteidigung aus.
Ein ähnliches Missverhältnis müssen wir für die europäische
Ebene feststellen: So hielt die Friedensforscherin Jutta Koch an der Tagung
"Weichen stellen" im letzten September fest: "Die Steuergelder
fehlen bei der Umsetzung der eigentlichen Friedenspolitik in Europa, die
auf ökonomische Integration Ost- und Südosteuropas, gestufte
westliche Marktöffnung unter Orientierung an ökologischen Standards,
Krisenprävention und Konfliktbearbeitung mit friedlichen Mitteln,
Stärkung der OSZE und der Vereinten Nationen setzen müsste."
Die Umverteilungsinitiative (mit vollem Titel Volksinitiative "Sparen
beim Militär und der Gesamtveteidigung für mehr Frieden
und zukunftsgerichtete Arbeitsplätze", die Abstimmung ist am 26.
November 2000 zu erwarten) stellt eine konkrete Antwort dar auf die Frage,
wo in der künftigen Friedens- und Sicherheitspolitik investiert werden
soll. Sicherheit beschränkt sich nicht auf die Abwehr von bewaffneten
Konflikten und organisierter Gewalt, worauf sich der offizielle neue Sicherheitsbericht
des Bundesrats eingrenzt. Wir brauchen ein breiteres Verständnis
von menschlicher Sicherheit, wo wirtschaftliche, soziale, Umwelt-, Geschlechterfragen,
Bildung, Gesundheit genauso wichtig genommen werden wie Konfliktabwehr
und -verteidigung.
Die Ressourcen und das Geld müssen dort investiert werden, wo sie
eine langfristig sinnvolle Aufgabe erfüllen können, dafür
ist die Umverteilungsinitiative ein Ansatz:
z.b. Entwicklung und Friedensförderung
Zusätzliche Mittel sollen für Entwicklungspolitik eingesetzt
werden. Es gibt ein wachsendes Verständnis dafür, dass EZA neben
der Aufgabe, Ursachen von bewaffneten Konflikten zu bekämpfen, sich
zusätzlich mit konkreten Fragen der Konfliktbearbeitung befassen
muss. Konkret auszubauende Bereiche sind:
-
Frühwarnung und Prävention
-
Unterstützung von zivilgesellschaftlichen Gruppen
-
Ausbildung von Friedensförderungs-ExpertInnen, die im Rahmen
von internationalen Projekten tätig sind. Ein Ansatz dazu ist
der Zivile Friedensdienst
z.b. Sozialpolitik
Heute werden Sozialversicherungsbeiträge zur Finanzierung der Militärausgaben
verwendet. So zahlen auch Frauen Lohnprozente in die Erwerbsersatzversicherung,
Beträge, die nur an militärdienstleistende Männer (und
ein paar Dutzend Frauen in der Armee) ausbezahlt werden, die aber zur
Finanzierung einer Mutterschaftversicherung verweigert wurden. Oder die
Einsparungen in der geplanten 11. AHV-Revision könnten aufgefangen
werden, wenn die Umverteilungsinitiative verwirklicht wird.
z.b. zivile Produktion
Fast die Hälfte der militärabhängigen Arbeitsplätze
in der Schweiz sind seit 1990 gestrichen worden, ohne dass eine Umstellungspolitik
begonnen wurde das bedeutet, dass heute noch die vermeintlich einzige
Perspektive der im Militärbereich Beschäftigten darin liegt,
um jeden Preis die Militäraufträge aufrechtzuerhalten. Der offiziell
geplante Stellenabbau geht jedoch weiter. Es braucht für die langfristige
Umstellung auf zivile Produktion und damit die Aufrechterhaltung der Beschäftigung
den Konversionsfonds der Umverteilungsinitiative.
z.b. Kollektive Sicherheit
Eine Skizze für die umfassende Konfliktbearbeitung ist in der "Agenda
für den Frieden" des früheren UNO-Generalsekretärs Boutros
Ghali enthalten: die Stichworte dazu:
-
vorbeugende Diplomatie
-
friedensschaffende Massnahmen
-
friedenssichernde Massnahmen
-
Friedenskonsolidierung
-
und als eigentliche Hauptaufgabe die Konfliktursachen ausräumen.
Diese Konzept, von der UNO begonnen und weiterentwickelt, steht für
ein aktives Engagement für die Friedensförderung im Rahmen einer
völkerrechtlich abgestützten Kollektiven Sicherheit und ist
nur mit einer aktiven internationalen Zusammenarbeit zu haben.
Fordern wir die Umsetzung der Vision von einer Kollektiven Sicherheit
ein. Ich finde dies sinnvoller als nur zu Reagieren auf unliebsame Entwicklungen:
Die Ideen und Konzepte für eine zivile Politik müssen konkret
entworfen und vorbereitet werden. Dies ist meiner Meinung nach die Aufgabe
der Friedensbewegung und der Linken, Alternativen zu einer militärlastigen
Politik zu formulieren und Ansätze für eine neue Politik einzufordern.
Es geht dabei um einen Prozess der schrittweisen Abrüstung und des
schrittweisen Auf- und Ausbaus einer Politik, die die menschliche Sicherheit
fördert. Die Umverteilungsinitiative ist ein konkreter Vorschlag,
wie die Mittel in zukunftsweisende Konfliktbearbeitung umgelagert werden
können.
26.3.2003
|