Antikriegsdemo - Rede von Viola Raheb |
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Viola Raheb, Theologin aus Betlehem, Palästina
Erich Fried schrieb vor einigen Jahren "Die Gewalt herrscht dort wo der Staat sagt, es darf keine andere Gewalt geben außer meine".
Eine bessere Zusammenfassung der internationalen Außenpolitik zurzeit ist kaum noch möglich. Im 21. Jahrhundert scheint die Gewalt des Staates die einzige Interventionsmöglichkeit geblieben zu sein. Krieg scheint das einzig gebliebene politische Instrument für die Mächtigen zu sein. Wir steuern nicht nur auf einen Krieg zu! Nein, es ist noch fataler, wir steuern auf einen sogenannten Präventivkrieg zu. Ein Krieg, der eine Gefahr abwenden soll, von der viele gar nicht überzeugt sind, und dabei eine noch größere Gefahr für alle mit sich bringt, von der auf der andererseits viel mehr überzeugt sind.
Welche Folgen wird der Krieg für die betroffenen Menschen haben? Welche Dimension wird dieser Krieg wohl haben und für wen? Was kommt nach dem Krieg? Welche Mittel sind noch möglich nach einem Präventivkrieg? Wie viele Präventivkriege stehen uns in der Zukunft noch bevor? Als Palästinenserin, die unter Besatzung geboren und groß geworden ist, die seit 34 Jahren unter dem Joch der Gewalt lebt, kann ich es nicht lassen einen Vergleich zu machen, nicht so sehr weil die Situation zu vergleichen ist, als vielmehr um den Blick zu erweitern. Deshalb frage ich:
Was haben Menschen im Irak und Palästina gemeinsam:
- Ein Land, das durch Krieg und Gewalt gekennzeichnet ist.
- Menschen, die täglich ihr Leben wegen der Politik im Land verlieren.
- Über drei Jahrzehnte Erfahrungen des Grauens und des Todes.
- Ein Konflikt, der immer wieder für politische wirtschaftliche Interessen instrumentalisiert wird.
Was haben sie nicht gemeinsam:
- Was als erstes auf der Hand liegt sind natürlich die Ölfelder und deren politischer wirtschaftlicher Stellungswert.
- Für Irak sind die UNO Resolutionen verpflichtend, für Palästina Israel wohl nicht.
- Im Falle Irak ist ein Präventivkrieg denkbar, während im Falle Palästina ein Ende der Besatzung und des Krieges undenkbar sind.
- Vermutungen sind in Irak Grund genug für einen Internationalen Einsatz, während in Palästina Tatsachen für einen Einsatz nicht kräftig genug sind.
Wir sind heute hier versammelt, gemeinsam mit vielen anderen Menschen weltweit um unser klares NEIN für den Krieg auszusprechen. Es ist nicht wichtig, welches Gewicht unser Hilfeschrei haben kann und wird. Viel wichtiger scheint mir zu sein, in einer Zeit des Wahnsinns und politischer Zynismus, eine Zivilcourage aufzubringen, NEIN zu sagen. Nicht mit uns und nicht in unseren Namen! Wir stehen heute hier um ein Zeichen dafür zu setzen, dass Frieden weit mehr Courage braucht als Krieg, dass Menschen viel mehr zählen als Öl, dass ziviler Ungehorsam in Zeiten wie unsere eine Pflicht und Verpflichtung der Geschichte, der Gegenwart und der Zukunft ist.
Wenn Krieg die einfachste Tradition der Mächtigen Politik zu machen, dann ist unsere Aufgabe eine Tradition des Friedens zu kultivieren.
