Mit der heutigen Neustellung der Doomsday Clock auf 85 Sekunden vor Mitternacht rücken die Zeiger so nahe an Mitternacht wie nie zuvor. Die Welt befindet sich in einer Phase akuter nuklearer Risiken: atomare Aufrüstung, nukleare Drohungen und die Erosion internationaler Rüstungskontrolle haben das Risiko einer Eskalation auf ein historisch hohes Niveau getrieben.
Die Botschaft ist eindeutig: Die Gefahr eines Atomwaffeneinsatzes – ob absichtlich, durch Fehlkalkulation oder technisches Versagen – ist real und akut. Kein Staat und keine internationale Organisation wäre in der Lage, die humanitären Folgen eines solchen Szenarios zu bewältigen. Auch die Schweiz wäre betroffen, unabhängig davon, ob sie an einem Konflikt beteiligt wäre oder nicht.
Der Bundesrat nutzt den Hebel des TPNW Beitritts nicht.
In der neuen Sicherheitspolitischen Strategie bezeichnet der Bundesrat Atomwaffen als eine der grössten Bedrohungen unserer Zeit und hält fest, dass das Risiko einer nuklearen Eskalation so hoch ist wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Gleichzeitig betont er, dass die Sicherheit der Schweiz am besten in einer Welt gewahrt wird, in der Macht durch Recht begrenzt wird und das Völkerrecht gestärkt ist. Trotzdem wurde der Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag (TPNW) bis heute immer weiter verschleppt.
Mit dem Beitritt zum TPNW könnte die Schweiz einen konkreten, glaubwürdigen Beitrag zur Reduktion nuklearer Risiken leisten. Der TPNW stärkt die internationale Norm gegen Atomwaffen, delegitimiert nukleare Drohungen und wirkt Proliferationsdynamiken entgegen.
Eine kürzlich eingereichte Volksinitiative fordert genau diesen Schritt und erfährt grosse Unterstützung aus der Bevölkerung. 72% der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sind für den Beitritt, gemäss einer repräsentativen Umfrage vom November 2025. National- und Ständerat haben bereits per Motion den Beitritt verlangt.
Ein Beitritt würde keinen sicherheitspolitischen Kurswechsel bedeuten. Die Schweiz besitzt keine Atomwaffen, plant keine und ist in keine nukleare Abschreckung eingebunden. Der Bundesrat hat selbst bestätigt, dass ein Beitritt weder die militärische Handlungsfähigkeit noch die sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit Partnerstaaten beeinträchtigen würde.
Die Neustellung der Doomsday Clock macht deutlich: Abwarten ist keine neutrale Position mehr. In einer Welt zunehmender nuklearer Risiken ist Passivität ein sicherheitspolitisches Versäumnis.
Die Schweiz verfügt über Glaubwürdigkeit, Erfahrung und internationale Anerkennung im Bereich des humanitären Völkerrechts und der multilateralen Diplomatie. Diese Stärken bleiben wirkungslos, wenn sie nicht genutzt werden.
Die Welt steht gefährlich nahe am Abgrund. Die Schweiz hätte mit dem Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag ein Instrument in der Hand, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Es ist Zeit, diesen Hebel zu nutzen.

