Dem militärisch-industriellen Komplex geht es nicht um Sicherheit, sondern ums Geschäft. Deshalb bevorzugt er superteure Waffensysteme, auch wenn sie untauglich sind.
Nach der russischen Drohnen-Attacke gegen Polen und den Abwehr-Reaktionen der polnischen und niederländischen Kampfjets zog das Echo der Zeit von Radio SRF folgendes Fazit: «Es wurde mit Kanonen auf Spatzen geschossen und das Gros der Spatzen wurde gar nicht getroffen.» (13.9.25) Tatsächlich wurden mit superteuren AIM-120-Luft-Luft-Raketen nur 4 von 19 russischen Drohnen getroffen.
Die Warnung von General Eisenhower
Allerdings warf das Echo der Zeit nicht die Frage auf: Könnte es nicht sein, dass teure, aber untaugliche Waffensysteme und das Fehlen günstigerer Alternativen mit den Profitinteressen der Rüstungskonzerne zusammenhängen? Immerhin lassen sich aus dem Ukraine-Krieg seit längerer Zeit die Lehre ziehen, dass das finanziell Aufwändige nicht zwingend das Richtige ist.
Auf den problematischen Einfluss der Kriegsindustrie auf die Rüstungsbeschaffung hat mitten im Kalten Krieg der republikanische US-Präsident Dwight D. Eisenhower hingewiesen. In seiner berühmten Abschiedsrede vom 17. Januar 1961 hat der ehemalige General und Supreme Commander im Zweiten Weltkrieg vor dem «Militärisch-Industriellen Komplex» (MIK) gewarnt. Dabei meinte er primär dessen freiheitswidrige Machtkonzentration. Seine «Farewell Address» thematisierte aber auch die militärische Ressourcenverschwendung zugunsten der Kriegsindustrie. Mit dem «Potenzial für die katastrophale Zunahme fehlgeleiteter Kräfte» meinte er nicht zuletzt die Fehlallokation von Geldmitteln zugunsten der Rüstungsprofite.
Militärisch-industrieller Komplex samt Blackrock
Bei der aktuellen Aufrüstung spielen die Rüstungskonzerne eine noch grössere und gefährlichere Rolle als in den 1960er Jahren. So ist das Budget der Rüstungs-Lobby in Brüssel zwischen 2022 und 2023 um 40 Prozent gestiegen. Eldar Mamedov, ein ehemaliger EU-Beamter und heute Mitglied des US-Thinktanks Quincy Institute for Responsible Statecraft, beobachtete im Frühjahr 2025, dass «Waffenlobbyisten in Brüssel wie Pilze aus dem Boden schiessen.»
Vor allem aber sind die Risiken von Demokratie-Abbau, Korruptions-Wachstum und Geldverschwendung zusätzlich gestiegen, seit sich Investment-Gesellschaften wie BlackRock dem MIK zugesellt haben. BlackRock hat Anteile an Boeing, Lockheed Martin, Raytheon, Northrop, General Dynamics in den USA sowie Airbus, Leonardo, Thales, Indra Sistemas, Dassault, Rheinmetall in Europa. Dabei stand der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz 2016 bis 2020 im direkten Dienst von BlackRock. Vor gut einem Jahr passierte in der Bundesrepublik Folgendes: Acht Tage, nachdem BlackRock ihren Aktienanteil an der Rheinmetall erhöht hatte, flatterte dieser eine Riesenbestellung der Bundeswehr ins Haus: 8,5 Milliarden für Artilleriemunition.
Masters of War
Die Schweizer Rheinmetall ist die Fortsetzung der berüchtigten Waffenschmiede Bührle. Zwischen dieser und dem Zürcher Kunsthaus gibt es ein berühmt-berüchtigtes Verhängnis. Wie wenig es dessen Trägerin, der Kunstgesellschaft, daran liegt, sich aus den Verstrickungen der Kriegsindustrie zu befreien, bestätigt der Umstand, dass sie ausgerechnet Philipp Hildebrand, Vice Chairman von BlackRock Schweiz, vor drei Jahren zu ihrem Präsidenten machte.
Zwei Jahre nach Eisenhowers Warnung vor der Kriegsindustrie kreierte Bob Dylan den Song Masters of War: «Ihr, die ihr große Kanonen baut / Ihr, die ihr todbringende Flugzeuge baut / Ihr, die ihr all die Bomben baut.» Ich wünschte mir von den heutigen Medien, insbesondere den linken, die Weisheit eines Eisenhowers und das Rückgrat eines Bob Dylans. Als sie sich mit dem Militärisch-industriellen Komplex anlegten, steckten die USA im tiefsten Kalten Krieg.

