Ein Kommentar von HEINRICH FREI

Laut dem Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) erreichten 2024 die weltweiten Militärausgaben 2’718 Milliarden US-Dollar. Das sind 9,4 Prozent mehr als 2023. Es wird aufgerüstet, um den Frieden zu sichern: «Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor». Die Jugend müsse wieder «kriegstüchtig» werden und in vielen Ländern wird die Einführung der Kriegsdienstpflicht verlangt. In Deutschland setzt der grösste Rüstungskonzern Rheinmetall auf Rüstung statt E-Mobilität und stellt zivile Standorte auf Militärtechnologie um.
SIPRI-Chef: Ausmass an Aufrüstung sei vernünftig
Sehr seltsam ist, was der SIPRI-Chef Dan Smith sagte: «Nun werden auch in Europa – mit einiger Verzögerung nach dem russischen Überfall auf die Ukraine – die Verteidigungsausgaben deutlich erhöht. Viele Länder konstatieren gravierende Lücken in ihrer Verteidigungsfähigkeit.» Das aktuelle Ausmass an Aufrüstung erachtet der SIPRI-Chef daher als vernünftig.
Vernünftig? Niemand müsste mehr hungern. Alle Kinder dieser Welt könnten in die Schule gehen. Jedermann könnte Hilfe erhalten, wenn er krank und alt wird, wenn ein Bruchteil der weltweiten Militärausgaben von 2’718 Milliarden US-Dollar für das Leben und nicht für den Krieg eingesetzt würde (siehe Grafik). Aber nur schon bei der Finanzierung des Welternährungsprogramms (WFP) harzt es.
Friedensforschung im Schatten staatlicher Finanzierung
Eine unabhängige Friedensforschung kann erschwert werden, wenn staatliche Institutionen diese Forschung finanzieren. Was würde mit SIPRI passieren, das zur Hälfte vom schwedischen Staat finanziert wird, wenn diese Institution Stellung nehmen würde gegen die Kriegsmaterialexporte Schwedens an Staaten, die jetzt mit ihren Waffenlieferungen an Israel, Saudi Arabien und die Ukraine Kriegsparteien sind?
Swisspeace in der Schweiz ist eine Praxis- und Forschungseinrichtung, die sich der Förderung effektiver Friedensbildung widmet. Deren Direktor Laurent Goetschel hatte sich in der Sendung im SRF Club skeptisch gegenüber den Auswirkungen eines Hamas-Verbots in der Schweiz geäussert. Der Baselbieter Landrat strich Swisspeace daraufhin die 100’000 Franken, die jährlich von 2024-2027 vorgesehen waren.
Mit Friedensforschung gegen Kriege
Archäologen, Anthropologen, Historiker und Biologen sind schon zum Schluss gekommen: Kriege werden nicht durch eine genetische Veranlagung des Menschen zur Gewalt verursacht, sondern sie sind kulturelle Irrwege der Menschheit, die in Zukunft vermieden werden könnten. Die Forscher stellten auch fest, dass Kriege erst im letzten Prozent der Menschheitsgeschichte aufgetreten sind. Historiker*innen erinnern auch: In geschichtlich überlieferten Perioden lebten viele Völker lange friedlich, ohne kriegerische Konfrontationen.
Verschiedene Autoren haben mit ihren Forschungen die Menschheitsgeschichte vom Kopf auf die Füsse gestellt: Rutger Bregmann verfasste das Buch «Im Grunde genommen gut, eine neue Geschichte der Menschheit», (Rowohlt 2021), David Graeber und David Wengrow die Untersuchung «Anfänge, eine neue Geschichte der Menschheit» (Klett-Cotta 2022) und Harald Meller, Kai Michel und Carl van Schaik die Dokumentation «Evolution der Gewalt» (dtv 2024).
