Gruppe für eine Schweiz ohne Armee

Echo des Krieges und Zainap Gaschajewa

 

Zainap Gaschajewa ist Jahrgang 1953. Sie wurde wie fast alle Tschetschenen ihrer Generation in der Verbannung in Kasachstan geboren. Denn 1944 auf Befehl Stalins kollektiv deportiert, durften die überlebenden dieser Vertreibung erst 1957 nach Tschetschenien zurückkehren. Zainap Gaschajewa war Direktorin eines Unternehmens in Grosny. Die vierfache Mutter gab ihren Beruf jedoch nach dem ersten Tschetschenien-Krieg 1994 bis 1996 auf und gründete die Organisation «Echo des Krieges», die heute in großen Teilen Tschetscheniens als einzige humanitäre Hilfe leistet.

In fast allen tschetschenischen Dörfern hat «Echo des Krieges» Ansprechpartnerinnen, die regelmäßig über die humanitäre und soziale Situation der Familien und Kriegswaisen berichten. Über die Kinder will die Organisation einen Grundstein für eine friedliche Zukunft des tschetschenischen Volkes legen. Schon mehrmals hat «Echo des Krieges» tschetschenische Kinder nach Moskau geholt. Dort leben sie einige Wochen bei russischen Gastfamilien und lernen, dass nicht alle Russen wie die Soldaten sind, die sie aus Tschetschenien kennen.

Über die Situation der ortsansässigen Zivilbevölkerung in Tschetschenien und der Binnenflüchtlinge ist Frau Gaschajewa bestens informiert. Regelmäßig fährt sie in das kriegszerstörte Land, um Hilfsgüter zu verteilen. Auch Videokamera und Fotoapparat sind in ihrem Gepäck, um die schweren Menschenrechtsverletzungen an der Zivilbevölkerung zu dokumentieren. Frau Gaschajewa zeichnet Gespräche mit den Opfern russischer Soldaten auf, fotografiert Leichen. So entstand seit 1994 das größte Archiv über den russischen Völkermord in Tschetschenien. Doch die Kamera wurde zum Verhaftungsgrund: Als Frau Gaschajewa am 11. Mai 2001 Hilfsgüter in Grosny verteilte und filmte, nahmen russische Soldaten sie fest. Zwei Tage wurde sie gefangen gehalten. Ihre Moskauer Wohnung wurde schon fünf Mal durchsucht. Vom russischen Geheimdienst wurde sie vorgeladen und bedroht. Doch die Sorge, im Ausland könnte die russische Propaganda gegen die Tschetschenen unreflektiert wiederholt werden, motiviert Frau Gaschajewa trotz aller Gefahren: Immer wieder reist sie nach Westeuropa, um hier mit Journalisten, Menschenrechtsorganisationen und Politikern Gespräche zu führen.

© Gruppe für eine Schweiz ohne Armee, 27.04.2004, Webdesign dbu