Argumente für die Armeeabschaffung

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Männlichkeitswahn

Kein richtiger Mann ohne Rekrutenschule?

In der Armee wird jungen Menschen beigebracht, was es braucht, um ein Mann zu sein: Kraft, Härte, Ehre, Gehorsam, Disziplin. Emotionen, die sich nicht ohne weiteres in aggressives Handeln umsetzen lassen, sind bei der Armee unerwünscht - sie gelten als «weiblich». Als «männlich» gilt, wer Einfühlungsvermögen, Angst, Trauer und Nähebedürfnisse unterdrückt. Gefühlskälte wird mit Heldenmut gleichgesetzt.

Aus der Sicht der Armee sind also die Frauen für Gefühle zuständig. Und weil Gefühle dem Kriegshandwerk abträglich sind, weil sie die hierarchische Ordnung stören und sogar zu eigenverantwortlichem Handeln führen können, wird den Soldaten nicht nur beigebracht, sich zu unterwerfen: Soldaten lernen auch, Frauen auszugrenzen und abzuwerten. Dies wird in einer Vielzahl von Ritualen eingeübt: mit sexistischen Witzen, systematischer Diskriminierung von Homosexualität, mit männlichem Führertum und Kameradschaft oder mit der Sexualisierung von Waffen. Die Kaserne, welche die jungen Männer auch physisch von ihrem normalen sozialen Kontakten und insbesondere von allen Frauen trennt, bietet dafür das geeignete Umfeld. Sexistische Gewalt fällt leicht, wenn man sich durch eine Uniform geschützt weiss. Die Skandale um frauenverachtende T-Shirts in Militär und Schiessübungen auf Papp-Bilder von nackten Frauen, welche die Schweizer Armee immer wieder in die Schlagzeilen bringen, belegen dies.

Die Armee behauptet, dass sie Frauen beschützt. Wer aber Frauen als wehrlose Wesen betrachtet, sieht in ihnen rasch die zu erobernden Subjekte. Sie werden selbst zum Schlachtfeld, auf dem der männliche Gegner gedemütigt wird. Massenhafte Vergewaltigung durch Soldaten und paramilitärische Gruppen sind daher ein typisches Merkmal eines jeden Krieges. Doch das Leben von Frauen ist nicht erst durch feindliche Soldaten bedroht. Wenn Gewalttätigkeit zum Bestandteil männlicher Identität wird, wirkt sich diese auch im Alltag aus: Ein Bericht der US-Regierung hat den Zusammenhang zwischen «häuslicher Gewalt» und der früheren oder gegenwärtigen Zugehörigkeit zur US-Armee bestätigt.

Während die Armee weiter hochgerüstet wird, fehlen Gelder im sozialen Bereich, zum Beispiel für eine Mutterschaftsversicherung. Wirtschaftliche Unabhängigkeit leistet aber wirklich etwas für die Sicherheit von Frauen. Ein militärischer Sicherheitsbegriff trägt den alltäglichen Bedrohungen der Frauen nicht Rechnung.

In der Armee wird kollektive Männergewalt eingeübt und organisiert. Die Abschaffung der Armee trägt deshalb zu einem herrschafts- und gewaltfreien Verhältnis zwischen Frauen und Männern bei.

© 1998 by GSoA; Gruppe Schweiz ohne Armee
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