Lasst das Uran im Boden

Die Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki durch zwei Atombomben der USA vor 80 Jahren machte die zerstörerische Kraft von Atomwaffen deutlich. Heute verschärfen die aktuellen geopolitischen Spannungen und Drohgebärden von Machthabern wie Trump und Putin die atomare Gefahr wieder massiv. Voices (ehemals Gesellschaft für bedrohte Völker) will deshalb als Teil der Träger-Allianz hinter der Atomwaffenverbotsinitiative zu einer atomwaffenfreien Welt beitragen. Diese ist aber nicht nur mit Blick auf das ultimative Schreckensszenario «Atombombe» erstrebenswert, sondern auch wegen den brutalen Auswirkungen der Atomindustrie auf Indigene Gemeinschaften. von Anna Leissing, Geschäftsleitung Voices

Am Anfang jeder Atombombe steht das radioaktive Uran. Es kommt in Gesteinen, Böden und Wasser vor und wird heute hauptsächlich in Australien, Kanada und Kasachstan abgebaut. Historisch war aber der Westen der USA ein Hotspot – und rund 80% aller Vorkommen befinden sich dort auf indigenem Land. 

Die Atomindustrie: Auf Kosten von Indigenen Gemeinschaften

Einer, der darüber ganz genau Bescheid weiss, ist Petuuche Gilbert. Er ist Indigener Anti-Nuklear-Aktivist des Acoma Pueblo in New Mexiko, USA und Präsident der «Indigenous World Association». Als Voices ihn im Juni diesen Jahres in New Mexico getroffen hat, schilderte Petuuche in eindringlichen Worten das verheerende Ausmass der Uranwirtschaft in ihrer Blütezeit zwischen 1950 – 1990. Und erinnerte daran, dass in New Mexiko die erste Atombombe, die «Trinity-Bombe», hergestellt und getestet wurde – nur wenige Wochen vor Hiroshima und Nagasaki. Weiter beschrieb Petuuche die «nukleare Kette» von den Test-Bohrungen und dem Abbau in den Uran-Minen über den Transport und die Anreicherung des Urans bis zu den Atomwaffen-Tests und der Lagerung von radioaktivem Abfall. Alle diese Schritte bergen grosse Risiken für die umliegenden Gemeinschaften, denn sie haben das Potenzial, ganze Landstriche über Jahrhunderte radioaktiv zu verseuchen. 

So sind die negativen Auswirkungen auch heute, nachdem die meisten Minen in New Mexiko stillgelegt sind, spürbar. Laut Petuuche gibt es im Westen der USA rund 15’000 verlassene Uran-Minen sowie unzählige unbekannte Orte, wo radioaktiver Abfall gelagert wird. Es ist enorm schwierig, die Unternehmen dazu zu bewegen, den verseuchten Abraum korrekt zu entsorgen und sogar neue Minen sind in Planung. Von der US-Regierung als strategische Projekte eingestuft, soll das Uran in der Waffen- und Rüstungsindustrie sowie in der Energie- und Stromversorgung für neue KI-Datenzentren zum Einsatz kommen und damit die geopolitische Position der USA stärken. Diese atomare Aufrüstung nimmt die radioaktive Verseuchung der Böden, des Grundwassers, der Flüsse und Seen ebenso in Kauf, wie die teilweise stark erhöhten Krebsraten bei den Indigenen Gemeinschaften in den naheliegenden Dörfern. 

Indigener Widerstand: Lasst das Uran im Boden. 

Petuuche erzählte aber auch vom aktiven Widerstand der Indigenen Gemeinschaften, die sich seit Jahrzehnten gegen die nukleare Bedrohung wehren – mit Protestaktionen, mit rechtlichen Schritten und bei den Verhandlungen für den UNO-Atomwaffenverbotsvertrag. In einer Stellungnahme der Indigenous World Association von 2023 heisst es: 

«Indigenous Peoples are demanding no more nuclear weapons, no more nuclear bomb testing. And NO use of nuclear energy for climate change. It is still bombing from above. It is still adding to death. Keep uranium in the ground.»

Lasst das Uran im Boden – eine klare Botschaft der Indigenen Aktivist:innen, die sich seit Jahrzehnten gegen die Atomindustrie einsetzen. Voices setzt sich dafür ein, dass ihre Stimmen gehört werden und die Schweiz ihre Verantwortung für eine atomwaffenfreie Welt übernimmt. Etwa indem sie den Atomwaffenverbotsvertrag ratifiziert und sich den internationalen Bemühungen um nukleare Abrüstung anschliesst. 

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